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Erlöser oder Racheengel?
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Advent Rising (Videospiel) Ein Spiel vor Release bereits als Trilogie anzulegen ist in der launischen Welt der PC/Videospiele ein gewagter Schritt - noch dazu, wenn es auf einem Spiel-/Story-System aufbaut, dessen komplexe Kontinuität sich erst entfaltet, wenn man sich genauer damit beschäftigt. Der Gag von "Advent Rising" erschliesst sich nämlich erst wirklich, wenn man es mindestens zweimal gespielt hat - daher wahrscheinlich die bisher (weitgehend unverdiente) zurückhaltende Reaktion der Spielergemeinde.
In Advent Rising (AR) schlüpft man in die Rolle des jungen Piloten Gideon Wyeth, der mit seinem älteren Bruder dazu auserkoren wurde das Schiff der menschlichen Delegation zum Erstkontakt mit einer ausserirdischen Rasse zu fliegen. Der Kontakt verläuft unerfreulicher als erhofft: zwar werden die Menschen beinahe wie Götter begrüsst, doch warnen die Aliens vor einer anderen Fraktion, die es sich zum Ziel gesetzt hat die Menscheit zu vernichten - kaum ist die Warnung ausgesprochen, da fällt die feindliche Armada schon über Wyeth's Heimatwelt her; so beginnt eine kampfreiche Odyssee nach dem Motto "Was Dich nicht tötet macht Dich härter".
AR spielt sich grundsätzlich wie eine Mischung aus Shooter und Action-RPGs wie "Baldur's Gate: Dark Alliance", wobei man jederzeit zwischen Ego- und Vefolger-Perspektive wählen kann. Während die Ego-Sicht sich gut eignet um entfernte Gegner auf's Korn zu nehmen ist die Verfolger-Perspektive doch spielbestimmend, da hier eine Auto-Aim-Funktion effektiv nutzbar ist und stylische Manöver möglich werden. Es gibt nämlich neben dem normalen Sprung eine "Dodge"-Taste, die es erlaubt in Verbindung mit dem Stick akrobatische Hechtsprünge auszuführen während das Geschehen für diese Zeit auf SlowMotion weiterläuft; hat man dabei noch einen Gegner im Visier, so kann man gleichzeitig aus dessen Schussbahn springen, ihn aber weiter aus vollen Rohren beharken. Zum "Beharken" gibt's jede Menge verschiedener Waffen, sie liegen (oder im Falle einiger Fahrzeuge: stehen) überall herum und warten nur darauf per Tastendruck in Gideon's Kontrolle gebracht zu werden. Im weiteren Spielverlauf erhält man noch mystische Fertigkeiten hinzu, die etwas an "Jedi"-Mächte erinnern, etwa Gegenstände schweben und auf Gegner schleudern zu lassen oder Energiestösse aus den Händen schiessen. Je häufiger man übrigens eine Fertigkeit oder einen Waffentyp verwendet, desto geschickter wird man damit - was sich in weiteren Sprüngen, effektiveren Mächten oder alternativen Waffenmodi bemerkbar macht.
Zum Experimentieren und Wiederspielen regt ein weiteres Feature des Spiels an: je nachdem, wie man während des Spielflusses handelt verändern sich storyrelevante Dinge; zum Beispiel wirkt sich die Entscheidung, ob man anfangs Gideon's Freundin oder seinem Bruder zu einer Fluchtkapsel hilft auf das Spielende dieser Episode aus.
AR wird grafisch und soundtechnisch insgesamt sehr bombastisch präsentiert, hat aber mit einigen teils unangenehmen Bugs zu kämpfen. Während die stark schwankende Lautstärke noch zu verkraften ist sind spieltechnisch echte Patzer zu bemängeln: mehr als einmal musste ich ein Level neu laden weil entscheidende Türen sich nicht öffneten, Cut-Scenes nicht anliefen oder das Spiel sich schlicht komplett aufgehängt hatte (Features, die es auch erst seit Microsoft in der Konsolenwelt gibt) - fairerweise sollte man erwähnen, dass solch erzwungenen Neuanläufe nie lang sind, da es ein gutes Auto-Save-System mit vielen Checkpoints gibt.
Trotz der zuletzt erwähnten Bugs (gespielt: engl. Version) hat mir das Spiel im Grunde gut gefallen. Die kurzweilige, stylische Daueraction in weitläufigen und intensiv präsentierten Welten ist genau das richtige für Feierabendzocker und SciFi-Fans. Wie gut sich das mit der komplexen Einflussnahme auf die Story in den Folge-Teilen auswirkt bleibt abzuwarten - jedenfalls werde ich noch einige Durchläufe wagen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 3. März 2006 |